Heldinnen*

Miriam Hanika

11. November 2020

Es gibt tausende Heldengeschichten. Von Männern, die ausgezogen sind und die Welt verändert haben, die stark waren und mutig und unabhängig und die den Menschen in Erinnerung blieben.

Schon als Kind haben mich aber die Erzählungen über meine weiblichen Vorfahrinnen mindestens genauso begeistert.

Doch die Geschichte ist, so lange man sie oberflächlich betrachtet, eine Geschichte der Männlichkeit und auch heute ist es manchmal schwer darin einen Platz zu finden – natürlich nicht nur für Frauen.

Auf der Suche nach Vorbildern bin ich schon oft an Grenzen gestoßen. Es ist schwer eine weibliche Liedermacherin zu finden, die vor 1970 geboren ist und erfolgreich war. Genauso schwer ist es eine berühmte Oboistin zu finden, auf die das zutrifft. Natürlich ist es auch etwas Positives, in Niemandes Fußstapfen zu treten.

Im letzten Jahr habe ich unglaublich viele tolle Frauen kennen gelernt. Sie sind mir einfach begegnet.

Dabei sind tolle Gespräche entstanden und wir haben immer wieder festgestellt, dass wir zusammen halten und uns gegenseitig unterstützen müssen, damit wir Frauen auch in Zukunft gesellschaftlichen Wandel und Kultur entscheidend mit prägen können. Dazu gehört natürlich auch das Leid aller Seiten, die der Frauen, die der Männer und derer die sich als weder noch verstehen zu begreifen – eine wirkliche Gleichstellung kann es nur geben, wenn alle Geschlechter aus ihren Zwängen und Rollenbildern befreit werden.

Im letzten Jahr habe ich aber auch viel in meiner Vergangenheit gekramt. Ich habe mich gefragt: Was für Frauen gab es da. Wie war ihr Leben? Was haben sie erschaffen? Welche Rolle haben sie gespielt?

Je älter ich werde, umso unbekannter, unerkannter und weiblicher werden meine ganz persönlichen Helden. Sie schleichen sich in meinen Kopf, wenn ich ganz alltägliche Dinge tue, dort vollbringen sie manchmal wahre Wunder. Sie sind da, wenn niemand anderes mehr da ist, denn ich kenne ihre Stimmen, Worte und Weisheiten auswendig. Und sie verstecken sich in meinen Gedichten und Liedern, ohne das ich es bemerke.

Sie haben kein Instrument gespielt und sie haben auch keine Lieder geschrieben. Sie waren für Andere da, so wie es damals eben war. Sie konnten nicht auf die höhere Schule gehen, obwohl sie es verdient gehabt hätten. Sie haben sich gekümmert.

Damit kommt man nicht in die Geschichtsbücher, auch wenn man es verdient hätte.

Ich habe diesem Thema sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und was ich zu Tage gefördert habe, hat mich nicht selten sehr berührt und erstaunt.

Während mein Crowdfunding für mein zweites Album „Louise“ läuft, möchte ich unter Anderem über diese Heldinnen berichten, denn auch wenn ich nur nach einer von ihnen mein Album benennen konnte: Sie alle haben mich geprägt und nur durch sie konnte ich die werden, die ich bin.

Aber ich sollte von vorne beginnen und zwar mit der Frage: Wer war denn nun diese Louise?

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