Ein Konzert für die Ewigkeit

Miriam Hanika, Peter Cudek und Shoko Matsuyama im Hinterhalt

26. Mai 2021

Ehrlich gesagt, hatte ich mit dem Gedanken abgeschlossen, dass es ein Release-Konzert geben wird.

Umso mehr habe ich den letzten Freitag genossen. Es war ziemlich aufregend – ein halbes Jahr überhaupt kein Konzert und dann gleich eins für die Ewigkeit. Aber wenn ich in den letzten Jahren nach meinem Musikstudium etwas gelernt habe, dann ist es wohl das Schöne in der Unvollkommenheit zu sehen.

Aber was sage ich hier: Eigentlich war der letzte Freitag nämlich perfekt.
Sieben Leute auf einer Bühne, ich weiß nicht wie lange das her ist. Selbstverständlich alle getestet und/oder geimpft.

Der Hinterhalt ist für mich wie eine kleine Oase. Es ist erstaunlich wie ein Club, mitten im Grünen, das schafft, was vielen Kulturstätten nichtmal in München zu gelingen scheint. Nichtmal, wenn kein Corona da ist: Mit Leidenschaft, Enthusiasmus und Engagement weiter zu machen. Wenn ich Eines über den Hinterhalt sagen kann, dann das dort die Sache im Vordergrund steht.
Das ist der erste Grund, warum ihr euch den Livestream anschauen und etwas spenden solltet, wenn ihr könnt.

 

Von links nach rechts: Hendrik Noeller, Katharina Khodos, Simon Popp, Shoko Matsuyama, Tanja Conrad, Tamara Banez, Miriam Hanika, Peter Cudek, Assunta Tammelleo und Thorsten Thane im Hinterhalt
Dann sind da die Musiker, die mit mir auf der Bühne standen. Alle freischaffend, alle sind in der Krise an ihre Grenzen gestoßen – keiner hat das Handtuch geworfen. Und ich wünsche mir, dass das auch so bleibt.

Wenn wir zusammensitzen sind wir ganz schnell diesem einen Thema: Der Ungerechtigkeit in dieser Krise.
Ich wünsche mir, dass ich mit meinem Projekt wenigstens einen Fliegenschiss dazu beitragen kann, damit diese Musiker wissen, dass sie nicht weniger wertvoll sind, als jeder Geiger in der Staatsoper (auch, wenn ich sie lange nicht so gut bezahlen kann).
Ihr könnt mir dabei helfen – indem ihr euch den Livestream anschaut und spendet.

Dann bin da ich. Ich fühle mich mehr als Lebenskünstler denn je. Freiheit gegen Sicherheit, diesen Tauschhandel bin ich schon lange eingegangen und im Moment geht es mir gut. Alles was ihr spendet geht an den Hinterhalt und meine Musikerkollegen. Deshalb (es ist ja immer einfacher für Andere einzustehen, als für sich selbst) trau ich mich ausnahmsweise ganz unverblümt zu schreiben: Spendet viel, es ist für eine gute Sache 🙂

Vielleicht, eines fernen Tages, wird man verstehen, dass Subkultur mehr ist, als eine Randerscheinung und mehr zu bieten hat, als man glaubt. Dass es diese Kultur ist, die unser Land prägt und nicht (nur) der ESC, DSDS, die EM oder die Staatsoper.
Subkultur ist wie die ökologische Landwirtschaft, Fairfashion oder Naturschutz: Lang übersehen, kaum finanzierbar, aber notwendig und ein Muss für eine bessere Welt. Eine Welt, in der wir wieder lernen hinzuschauen, zuzuhören und zu wertschätzen, statt zu konsumieren.

4 Kommentare

  1. Liebe Miriam Hanika,
    Ihre Louise war zauberhaft.
    Ihr Kommentar heute hat mir nicht gefallen, er schießt weit über das Ziel hinaus.
    Was soll das: Daß sich jetzt, in dieser globalen Krise, Kulturschaffende gegenseitig ausspielen und bekriegen.
    Wenn Sie für die Subkultur einstehen, – okay. Mich haben auch immer wieder die kleinen, abseitigen interessiert und angezogen.
    ABER: (!!!): Ihr Satz: „Daß es diese Kultur (die Subkultur) ist, die unser Land prägt und nich. (nur) … … … und die Staatsoper.“
    Ich möchte keine unfreiwillige Reklame machen für das, was bei Ihnen an Stelle der Pünktchen steht.

    Aber die Staatsoper mit ihren gut ausgebildeten, ernsthaften Künstlern in einem Atemzug zu nennen mit diesen …. … … – tut mir leid, das zeugt n i c h t von Kulturverständnis!
    Da sind Sie nicht weit von den Politikern, die die Kultur als „Freizeitunterhaltung“ in einem Atemzug nannten mit Bordellen und Spaßbädern.

    Ich w a r übrigens gerade in der Oper. Und gehe auch gerne in klassische Konzerte.
    Auch.

    Grüße an die Subkultur.

    Antworten
    • Liebe Beate Schwärzler,

      ich glaube Sie haben mich in diesem Zusammenhang leider falsch verstanden. Meine Beispiele waren absichtlich und ganz bewusst gewählt – aber die Auswahl bezog sich sicherlich nicht auf die Qualität. Genauso, wie die Staatsoper herabzuwürdigen, liegt es mir fern, den Profifußball herabzuwürdigen. Vielleicht hätte ich deutlicher auf die Hintergründe eingehen sollen, von denen ich fälschlicherweise immer annehme, sie wären alle Menschen genauso klar, wie mir und vielen anderen Kulturschaffenden.

      Was ich wohl verdeutlichen muss, ist, dass die Institutionen, die ich genannt habe, allesamt einen finanziellen Background haben, eine Lobby, wenn man so will. In den genannten Fällen kann man davon ausgehen, dass es keine finanziellen Schwierigkeiten gab, die Krise zu überstehen. Warum das so ist, sei mal dahin gestellt.
      Sie selbst scheinen es ja schwierig zu finden, wenn ich die Staatsoper und die EM in einem Satz unterbringe. Nun, ich finde auch Fußball ist ein Teil unserer Kultur, auch der ESC hatte mal gute Wurzeln und auch Bordelle und Spaßbäder gehören dazu – es ist nur die Frage, wie weit das Ganze geht und wo die Prioritäten liegen.

      Vielleicht bleibe ich kurz bei der Staatsoper, denn es liegt mir fern, die Oper und ihre Mitglieder in irgendeiner Form abschätzig zu betrachten. Ich selbst habe dort in der Akademie an der Oboe ausgeholfen und bin zumindest während meines Studiums auch als Zuhörerin oft in der Oper gewesen. Und wenn Sie meinen Blog aufmerksam verfolgen, wissen sie ja auch, dass ich selbst klassische Musikerin bin 😉
      Aber, und gerade weil ich klassische Musikerin bin und den Markt kenne, darf ich das wohl sagen: In Deutschland herrscht ein ganz gravierendes Ungleichgewicht was die Subventionierung von Kunst und Kultur betrifft.
      Das hat auf der einen Seite historische Gründe: klassische Musik war während des zweiten Weltkriegs zum Beispiel aufgrund ihrer Struktur (ein Führer, der vor dem Orchester steht) hoch angesehen und erwünscht. Jazz dagegen, den ich zur Subkultur zähle, nicht. Schaut man mal in der Münchner Hochschule, wieviele (hoch dotierte) Professoren es für klassische Musik gibt und wieviele im Jazzbereich (da gibt es dann höchstens mal einen Dozenten…), muss man sich schon wundern. Schauen Sie mal in die Jazzclubs und in die Bigbands (wenn Sie denn eine finden) und fragen, wie sie an Gelder kommen.
      Ich habe in meinem Studium unglaublich viele tolle Musiker kennen gelernt, aber auch solche, die immer noch meinen, klassische Musik sei über Allem erhaben. Das Selbstverständnis der klassischen Musiker, dass es Orchester gibt, die tatsächlich bombenfeste Stellen anbieten ist groß. Warum? Was ist an dieser Musik so viel „besser“, als an einem der vielen grandiosen Jazzformationen? Sie können hier auch ein anderes Genre einfügen, aber mit Jazz lässt es sich am Besten erklären, da er im weitesten Sinn auch zur ernsten Musik gezählt wird.

      Vielleicht merken Sie: Nicht in der Krise spielen sich die Musiker gegeneinander aus (im Übrigen verstehen sogar viele festangestellte Musiker meine Kritik, die ich auch schon lange vor Corona in Gesprächen immer wieder geäußert habe…), sondern der Umgang und die scheinbare Wertigkeit von Kulturgut von Seiten des Staates UND der Musikindustrie.

      Ja, ich finde es unfair, dass eines der best bezahltesten Orchester des Landes seine Musiker mehr oder weniger normal weiter bezahlen kann, während meine Kollegen nicht mehr wissen wovon sie die mieten zahlen sollen. Ich finde es auch unfair, dass die Staatsoper ihre Pforten wieder öffnen darf, während Millionen Clubs und Konzertsäle das aufgrund von seltsamen Auflagen nicht dürfen und eingehen. Und das hat sicherlich nichts damit zu tun, dass ich die Staatsoper nicht mag oder schätze. Man muss auf solche Missstände aufmerksam machen dürfen oder nicht? Es geht für mich jedenfalls IMMER darum, dass alle Kulturschaffenden hinreichend entlohnt und subventioniert werden. Im Moment ist das leider nicht der Fall.

      Ich habe übrigens mit voller Absicht geschrieben „dass es diese Kultur ist und nicht (nur)“… ich glaube wenn Sie das „nur“ wörtlich nehmen, dann treffen wir uns ohnehin an einem ähnlichen Ausgangspunkt 🙂

      Ich freue mich jedenfalls, dass Ihnen Louise gefällt und hoffe, dass Sie mich jetzt ein bisschen besser verstehen können.

      Liebe Grüße,

      Miriam

      Antworten
  2. Liebe Miriam,
    Gerechtigkeit bei Kultursubventionen ist, glaube ich, ein unendlich schwieriges Thema. Würden sie entfallen, müsste es der Markt regeln. Wir waren vergangenen Mi im Gärtnerplatztheater in Eugen Onegin. Es war wunderschön! Obwohl die Orchesterbesetzung wegen Abstandsregeln auf ein Drittel reduziert war, klang es fantastisch und die Sänger waren nicht gewzungen, an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu gehen. Also könnte man alle Orchester ohne große Einbußen dritteln. Dadurch könnte man in hohem Maße Subventionen einsparen, müsste aber sehr viele Musiker entlassen. Der Konkurrenzdruck unter Freiberuflern würde immens zunehmen, ohne dass auch nur ein müder Euro mehr zu verdienen wäre.
    Es ist leider Tatsache, dass wichtige Teile der Kultur, die sich außerhalb fester Strukturen entwickeln, von der Politik vernachlässigt werden und jetzt in der Pandemiesituation keinerlei Möglichkeit haben, sich über Wasser zu halten. Ohne Zweifel müssen da Lösungen gefunden werden! Ich denke, dass Publikum muss sich stärker einbringen. Fundraising ist eine fantastische Möglichkeit und man muss alles dafür tun, dass das breitere Aufmerksamkeit und Akzeptanz findet!
    Ich verbinde das mit dem schönen gefühl, auch Teil des unterstützten Projekts zu sein – ein winziges Stückchen von Louise gehört deshalb auch mir!
    Liebe Grüße,
    Lorenz

    Antworten
    • Lieber Lorenz,

      danke dir für deine Worte – du hast Recht, wenn man über Subventionen spricht, ist das ein bodenloses Thema. Aber vermutlich auch eines, was uns in den kommenden Jahrzehnten sehr beschäftigen wird. Ich für meinen Teil bin natürlich auch absolut nicht dafür, dass man dem Gärtnerplatz oder der Staatsoper irgendetwas kürzt, so dass Mitarbeiter entlassen werden müssen. Wenn man sieht, wofür in unserem Land Geld da ist, dann bin ich mir sicher, man könnte die freie Kulturszene unterstützen, ohne an anderen Enden etwas wegzunehmen.
      Was den Konkurrenzdruck der Freiberufler betrifft, sind wir leider schon fast an dem Punkt, den du beschreibst. Ein Leben als Freiberufler ist, auch in München, nur noch sehr schwer möglich, weil am Ende zu viele junge Musiker ausgebildet werden und die Orchester wissen, dass man die Gagen drücken kann. Irgendjemand wird es immer machen.
      Fundraising ist eine tolle Sache – du weißt ja, wie begeistert ich persönlich davon bin 🙂 Und ich bin mir mittlerweile sicher, dass das auch nicht mein letztes Crowdfunding war.
      Wir sollten diese Themen in aller Ausführlichkeit bald mal bei unserem Abendessen besprechen. Die Inzidenzen sinken ja zum Glück immer weiter 🙂

      Liebe Grüße,

      Miriam

      Antworten

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